Lactarius fluens

Lactarius fluens

Dienstag, 29. September 2015

Erläuterungen

Cheilozystiden = Echte Zystiden an der L-Schneide, in SV mit geschwärztem Inhalt
Dcy = Dermatozystiden = Pileozystiden
Dermatozystiden = Zystiden in der Epikutis, in SV mit geschwärztem Inhalt
Epikutis = oberste Huthautschicht
Fl = Fleisch
H = Hut
Ixokutis = verschleimte Kutis
Ixotrichoderm = verschleimtes Trichoderm
KF = Karbolfuchsin, zum Anfärben der Phy
Kutis = Schicht liegender Hyphen
L = Lamelle
lageniform = flaschenförmig
Lamprotrichoderm = Ein aus sehr dickwandigen Hyphen bestehendes Trichoderm
mukophil = schleimliebend
mukophob = schleimabweisend
MW (N20/P95) = Geschätzter Mittelwert einer Sporenprobe in µm, aufgrund einer Stichprobe von 20 Sporen, mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit
Pileozystiden = Dermatozystiden
Pleurozystiden = Echte Zystiden an der L-Fläche, in SV mit geschwärztem Inhalt
PG (N20/P95) = Geschätzte Populationsgrenzen einer Sporenprobe in µm, aufgrund einer Stichprobe von 20 Sporen, mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit
Phy = Primordialhyphen best. Russulae, mit säureresistenter Inkrustierung
QM (N20/P95) = Geschätzter Mittelwert des Schlankheitsgrades einer Sporenprobe, aufgrund einer Stichprobe von 20 Sporen, mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit
St = Stiel
SV = Sulfovanillin,  schärzt Inhalt von Hymenialzystiden und Dermatozystiden
Trichoderm = Schicht schräg nach oben gerichteter Hyphen
VM (N20/P95) = Geschätzter Mittelwert des Volumens einer Sporenprobe in µm, aufgrund einer Stichprobe von 20 Sporen, mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit
WB = White Balance (Weißabgleich der Kamera)

Donnerstag, 24. September 2015

Ausrüstung: Kamera, GPS-Daten

Kamera
Panasonic Lumix DMC-TZ10. jpg-Format, 10 MPix.
Stativ und Selbstauslöser, weißes Papier für Weißabgleich und Aufhellen des Eigenschattens. Kleinste Blende, kein Blitzlicht.
Es werden immer 3 Aufnahmen unterschiedlicher Helligkeit (normal / -1 EV / + 1 EV) gemacht (Auto Bracket - gleiche Blende, unterschiedliche Belichtungszeit), von denen das beste ausgewählt wird. Evtl. werden sie auch im Gimp überlagert, um Inhaltslosigkeit in den Lichtern und Tiefen zu vermeiden (Contrast Blending - HDR).
GPS ist immer aktiv, die Weltkoordinaten sind in den Exif-Daten ablesbar.
Bildgrößen im Blog: 3:2 = 512:341, 4:3 = 512:384 (72 dpi)


GPS-Daten kopieren
Foto in FSIV öffnen, Shortcut "I" (Bild-Eigenschaften), bei GPS auf Button "Google Maps" clicken, in Google Maps die Weltkoordinaten in  kopieren: etwa Latitude 48.xyz N, Longitude 8.xyz E.
Die Höhe über dem Meer  ist in Google Maps bequem zu bekommen, indem man eine Fahrrad-Route beim relevanten Wegpunkt erzeugt.



Dienstag, 22. September 2015

Präparationstechnik

Huthaut-Schnitte (Rasierklinge) von Täublingen/Milchlingen mit verschleimterHuthaut

A)  Frische Fruchtkörper
  • lassen sich auf Grund der gummiartigen Konsistenz der Epikutis nicht dünn schneiden. Es hilft auch nicht, direkt vor dem Schneiden Kältespray zu nehmen oder den Fruchtkörper vor dem Schneiden in die Kühltruhe zu legen: Beim Schneiden taut die Oberfläche sofort wieder auf.
  • Bei Fruchtkörpern mit trockener Huthaut schneidet man diese im frischen Zustand mit einer Rasierklinge unter dem Stereomikroskop, funktioniert sehr gut! 

B) Rascheldürr getrocknete Fruchtkörper
  •  Trocknen im Dörrex und dann schneiden: nicht so gut, da die Hutoberfläche ungleichmäßig zusammenschnurrt.

C) PEG-Methode
  • Möglichst kleine Huthaut-Fragmente über Nacht  in 10- bis 20-prozentige wässriger Lösung von PEG1500 einlegen. Dadurch werden die Fragmente mit PEG durchtränkt.
  • Am nächsten Tag die noch feuchten Fragmente auf einen Objektträger legen und völlig durchtrocknen lassen.  -  12 Stunden später Handschnitte mit frischer Rasierklinge ausführen.
  • Die Schnitte überführt man in Wasser (direkt mit der Klinge ins Wasser abgleiten lassen, Objektträger mit Mulde). Nach 1 Minute hat sich das PEG herausgelöst. Jetzt z.B. mit Zahnstocher die Fragmente auf einen normalen Objektträger in einen ganz kleinen Tropfen der Färbe-Reagenz, hier Kongo-NH3, überführen.
  • Nach 2 Min Einfärbung Fragment mit KOH 5% überschwemmen, KOH absaugen, wiederum KOH zugeben, Deckgläschen drauf. Mikroskopieren, fotografieren.
  • Der Schleim bleibt bei dieser Methode weitgehend erhalten: Die Ergebnisse sind in etwa vergleichbar mit jenen, die man erhält, wenn man versucht, den Schleim durch Fixierung in Formol-Dämpfen und anschließender PEG-Durchtränkung mit einer PEG-Methylcellosolve-Lösung zu fixieren. Also: mit oder ohne Fixierung: Der Schleim bleibt erhalten.
  • Was nicht gut funktioniert ist, wenn man die frischen Fragmente mit erhitztem PEG zu umgeben versucht. Das PEG zieht nicht ein, Schnitte gelingen nicht recht.
Huthaut von Lactarius salmonicolor - geschnitten: PEG-Methode, Einbettung: Kongo-NH3

    Stielhaut von Lactarius salmonicolor - geschnitten: PEG-Methode, Einbettung: Toluidinblau

    Stielhaut von Lactarius salmonicolor - geschnitten: PEG-Methode, Einbettung:Brillantkresylblau

      Montag, 21. September 2015

      L. controversus


       
      Lactarius controversus - 50 cm breiter Rosascheckiger Milchling im Garten unter Salweide

      Beleg: mi-2015-021.
      Ein Fund vom 30. September 2015 in einem Garten auf Rasen unter Salix caprea - Salweide. Die Art wächst dort in jedem Jahr zu 50-80 Exemplaren von September bis Oktober.

      Standort: Gemeinde Straubenhardt, Übergang südl. Kraichgau - Nordschwarzwald. MTB 7117/14 Birkenfeld.

      Bei der Art handelt es sich um riesige, bis 20 cm breite "Erdschieber", die bereits ausgebreitet mit eingerolltem Hutrand aus der Erde drücken.

      Hut leicht klebrig, cremefarben, schwach konzentrisch gezont, samtig und ab und zu rosalich gezont. Hutrand  bleibt eingerollt.
      Stiel cremefarben, kurz und dick, ohne Gruben.
      Lamellen dünn, schmal, gedrängt und besitzen einen schmutzig rosa Farbton.
      Fleisch hart, dick, weiß. Lässt man einen gebrochenen Stiel liegen, so verfärbt sich die Stielrinde nach Stunden gelb.
      Milch stark klebrig, dauerhaft weiß. Sie schmeckt, genauso wie das Fleisch, verzögert bitter, scharf und sehr unangenehm kratzend im Rachen. Geruch wurde keiner festgestellt.

      Sporenpulver rosalich falb

      Farbreaktionen
      an der Luft: isolierte Milch creme, Fleisch weiß
      FeSO4: Milch creme, Fleisch rosalich
      Guajak 1/2: Milch hellbräunlich, Fleisch blaugrün
      KOH 30%:Milch creme, Fleisch hellbräunlich


      Farbreaktionen nach 30 Min: oben Milch, unten im Fleisch





















      Sporen breit ellipsoid bis ausgesprochen länglich, derb gratig-netzig, fast vollständige Netze bildend. Ornamente bis 0,5 µm hoch und stark amyloid. Hilarfleck schwach bis gar nicht amyloid. MW(N33/P95): 6,3-6,5 x 4,8-5,0; QM(N33/P95): 1,28-1,35; VM (N33/P95): 77-83

      Sporen in Melzers Reagenz






















      Im Negativbild erscheint das Sporen-Ornament besonders deutlich.

      Sporen im Negativbild






















      Cheilozystiden sehr spärlich,  in SV nur teilweise geschwärzt, lageniform, terminal oft kopfig, 20-30 x 3-4 µm.
      Pleurozystiden (Bild) spärlich, Aussehen wie Cheilozystiden, 25-35 x 3,5-5 µm

      Pleurozystiden in Sulfovanillin, Quetschpräparat



















      Die Huthaut besteht aus einer 20-30 µm dicken Ixokutis (verschleimter Schicht liegender Hyphen). Hyphenbreite = 2-3 µm.

      Huthautschnitt in Kongo-SDS, Handschnitt nach der PEG-Methode


      Huthautschnitt in Tokuidinblau, Handschnitt nach der PEG-Methode
































      Die Stielhaut besteht aus einem Trichoderm /Schicht unverschleimter, schräg aufgerichteter Hyphen, die 3-4 µm dick sind.

      Stielhautschnitt in Kongo-SDS, freier Handschnitt
      Stielhautschnitt in Kongo-NH3, Handschnitt nach der PEG-Methode







      Diskussion
      Völlig problemlose, leicht kenntliche Art, allerdings nach dem Schlüssel in Heilmann-Clausen et al. schwer zu bestimmen, da der Hut im Grad seiner Zonierung, Klebrigkeit und  Filzigkeit sehr variabel ist.
      Zum Vokommen ist zu sagen, dass man die Art auch unter Populus - Pappel findet.

      Sonntag, 20. September 2015

      L. salmonicolor


      Erkennbar die Farbe frisch ausgetretener sowie langzeitlich abgetrockneter Milch





















      Hier ein Fruchtkörper mit leichter Grünverfärbung



















      Lactarius salmonicolor - Lachsreizker

       Ein Fund von ca. 20 Exemplaren am 17. Oktober 2015.

      Standort: Walddistrikt "Schelmenbusch", Nähe Schwanner Warte, Gemeinde Straubenhardt, Nordschwarzwald, Baden-Württemberg MTB 7117/32 Birkenfeld.

      Fundort: Nadelmischwald mit eingestreuten Birken und Rotbuchen, am Fundort nur Weißtanne sowie eine große Rotbuche auf stark saurem Boden über Mittlerem Buntsandstein SMC2.

      Dieser als guter Speisepilz bekannte Reizker mir roter Milch pflegt Mykorrhiza ausschließlich mit der Weißtanne Abies alba.

      Hut mittelgroß, freudig lachsorange, seltener auch mit grünlichen Bereichen, deutlich konzentrisch gezont, feucht glänzend und schleimig.

      Lamellen in etwa hutfarben, sichelförmig, untermischt, bezüglich Breite, Dicke, Gedrängtheit in etwa "nornal". Besonderheit: Die Art wird gerne von dem Schlauchpilz Hypomyces lateritius, befallen, der die Ausbildung der Lamellen verhindert. Derartige Fruchtkörper sehen irgendwie verkrüppelt aus, werden "Steinreizker" genannt und sollen angeblich wohlschmeckend sein??

      Stiel glänzend, glatt, schwach klebrig, hutfarben, mitunter mit einer hellen "Ringzone" direkt unterhalb der Lamellen, meist mit etwas dunkleren, längsgestreckten Flecken. Fruchtkörper werden zeitig im Stiel hohl.

      Fleisch im Hut dick, von der Milch zuerst mennigerot, später trüb rot. Stielrinde farbgleich, der ausgestopfte Bereich im Inneren ist weißwattig.

      Geruch angenehm fruchtig, für eine halbe Stunde in eine Dose "gesperrt", entwickelt sich ein deutlicher Geruch nach Mandarine,  Geschmack bitterlich.

      Die Milch tritt bei Verletzung reichlich mennigerot hervor und färbt sich nach etwa einer halben Stunde nach weinrot/braunrot um. Sie ist etwas klebrig.

      Myzel rot.


      Makrochemische Farbreaktionen
      Makrochemische Farbreaktionen: Weder mit FeSO4 noch mit Guajak oder KOH 30% tritt an Fleisch oder Milch eine Verfärbung ein. Lediglich an der Luft verfärben sich verletztes Fleisch bzw. Milch nach ca. einer halben Stunde nach Weinrot/ Braunrot um.

      Die Sporenstaubfarbe kann man mit "Rosafalb" oder "Milchkaffeebraun mit einem Rosastich" bezeichnen.
      Sporen in Melzers Reagenz

      Sporen ellipsoid, warzig- gratig, gern mal zebriert oder auch Teilnetze bildend, Ornamente bis knapp über 0,5 µm hoch, stark amyloid. Hilarfleck nur am entfernten Apiculusende amyloid. 
      Ein Fruchtkörper vom 17.10.2015 ergab:
      MW(N25P95): 8,2-8,6 x 6,7-7,0; QM(N25P95): 1,20-1,26; VM(N25P95): 195-220.
      Ein weiterer Fruchtkörper, aufgesammelt am 20.10.2015 ergab jedoch:
      MW(N25P95): 9,3-9,8 x 7,6-8,0; QM(N25P95): 1,19-1,25; VM(N25P95): 285-325.


      Cheilozystiden in Sulfovanillin, Handschnitt nach der PEG-Methode
      Cheilozystiden (ca. 5 x 50 µm) und Pleurozystiden (ca. 7 x 70 µm) zahlreich, etwa gleich aussehend, etwa spindelförmig, in SV grau verfärbend.

      Pleurozystiden in Sulfovanillin, Handschnitt nach der PEG-Methode

      Pleurozystiden in Sulfovanillin,Quetschpräparat








































      Die Huthaut besteht aus einer Ixokutis (im Übergang zum Ixotrichoderm), mit ca. 5 µm dicken Hyphen

      Huthaut in Kongo-NH3, Handschnitt nach der PEG-Methode




















      Die Stielhaut besteht aus einem Ixotrichoderm mit 3-4 µm dicken Hyphen.

      Stielhaut in Kongo-NH3, Handschnitt nach der PEG-Methode









      Diskussion
      In der Literatur (z.B. Heilmann-Clausen et al.) wird die Art nur von basenreichen Böden berichtet. Auch erwartet man große Sporen so um die 10 x 8 µm. Doch der freudig lachsorangefarbene Hut des Funsea mit nur selten grünen Zonen sowie die deutlichen Gruben am Stiel und auch die Begleitbäume lassen eigentlich keinen Zweifel an Lactarius salmonicolor aufkommen.Vielleicht sind die abweichenden Sporenmaße auf das extrem trockene Wetter des Jahres 2015 oder auf die zum Fundzeitpunkt sehr niedrigen Nachttemperaturen um die null Grad zurückzuführen.